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Mai 1968: der Titel meiner Abschluβarbeit an der Kunstakademie war ‘Die Kunst des 21. Jahrhunderts’. Hierin kam ich zu dem Schluβ, daß die ‘Moderne Kunst’ sich nicht ewig gegen die ‘klassische’ Tradition unserer Vorfahren wehren konnte Früher oder später mußte es zu einer Synthese kommen. In der Reihe ‘Offenbarungen suchte ich selbst diese Synthese in der Kombination von klassischer Technik mit zeitgenössischen Einsichten.

 

1970 –71 wohnte ich in der Türkei. In dieser Zeit reiste ich über Teheran und Kabul nach Lahore. Diese Periode verschaffte einen Erinnerungsfluß an türkische Bäder, persiche Fließenarbeiten, Afghanische Kaffehäuser und Mogul-Gärten. Ich machte von diesen asiatischen Traditionen Gebrauch. Die Reihe ‘Blattspiegel’ beispielsweise ist durch exotische Stile inspiriert, die mit europäischen Techniken dargestellt werden. Ich erfand andererseits auch Fantasiestile, die man theoretisch bestimmten Kulturen zuordnen könnte. So interpretierte ich die klassische Technik fremder Kulturen auf höchstpersönliche Weise.

 

Anfang der achtziger Jahre zog es mich wieder nach Europa zurück, zu der 'eigenen' malerischen Tradition des 'Streiflichtes in Ölfarbe eingefangen'. Beim Malen der Serie 'Erotische Landschaften' stellte sich jedoch die Frage: Wie kann man eine Verbindung der alten mit der modernen Malkunst herstellen.

 

'Alte' Malkunst ist die Illusion einer dreidimensionalen 'Wirklichkeit' auf einer ebenen Fläche. 'Moderne' Kunst bedeutet die Autonomie von Farbe und Form. In der Reihe 'Rockin Kimono's' verband ich die 'klassische Illusion' mit autonomen Zügen. Das Zwei- mit dem Drei-dimensionalem.

 

1992 - 93 verblieb ich in Prag als Gast der 'Akademie für Bildende Kunst'. Das Spannungsfeld zwischen konstruktiven und antikonstruktiven Elementen im Barock faszinierte mich. Neben der Liebe zu Asien entstand eine neue Liebe zum Rococo, Gefühle die sich überraschender Weise zu ergänzen schienen. Eine Reihe Ölgemälde folgte unter dem Namen 'Die imaginäre Stad Prag'. Vor allem in der Reihe 'Gitterwerke' entstanden Übergänge von 'asiatischer' oder aber 'Moderner' zweidimensionaler 'Autonomie' mit einer klassischen Illusion des Raumes.

 

Im einundzwanzigsten Jahrhundert vertiefte sich dieses Streben nach Synthese. Neben der maltechnischen, suchte ich – mehr als je zuvor – nach eine kunstinhaltlichen Integration. Ich fühlte mich dem ‘Symbolismus’ verwandt (dem Spiel mit den verborgenen Bedeutungen) der prominentesten Stilrichtung der Jahrhundertwende. Die Vorliebe zum Symbolismus wurde schnell um ein anderes Lieblingsthema der ‘Belle Epoque’ erweitert: der weibliche Akt – und hier kehrt auch der Orient wieder zurück. So kommt alles wieder zusammen: Alt und Neu, die zweite und die dritte Dimension, Ost und West und die klassischen Werte, sei es in einem neuen Licht.

 
 

Tom S. Hageman

 
  

 

 

 

 

 

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